Als ich kürzlich auf kartenmacherei.de die Hochzeitseinladungen für die bevorstehende Vermählung meiner Lieblingsschwester beauftragte, stellte ich mir vor es ihr jetzt, quasi zur Halbzeit meines Studiums, gleichzutun. Hochzeit während des Studiums, bei kartenmacherei.de die eigenen Hochzeitskarten anfertigen – geht das überhaupt? Seit der Umstellung des deutschen Hochschulsystems auf die international etablierten Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich der Zeit- und Leistungsdruck an deutschen Universitäten und Fachhochschulen spürbar erhöht, der Humboldt’sche Geist hatte den Effizienzzielen von Politik und Wirtschaft zu weichen und führt vielfach nur noch ein Schattendasein, selbst in den altehrwürdigen Akademien des Volkes der Dichter und Denker.
Jobben, Praktika, Vorlesungen, Seminare, Klausuren und dabei natürlich notorisch knapp bei Kasse – wo bleibt da Zeit, Geld und Muse, eine Hochzeit zu planen und in einem Rahmen zu erleben, die der Bedeutung und dem Charakter eines solchen Ereignisses gerecht wird?
Prioritäten und die Stimme des Herzens
An dieser Stelle sollte man sich überlegen, was einem in diesem Lebensabschnitt und in der Zukunft persönlich wichtig ist und dementsprechend handeln. Der Sog, der durch die straffe Organisation des Studiums und die eifrigen Kommilitonen entsteht, lässt uns oft vergessen, dass wir eigentlich zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben die Möglichkeit haben, uns bewusst und eigenständig zu entscheiden – Auch während des Studiums, auch für eine Hochzeit. Ich hätte sofort auf eines der kartenmacherei.de Angebote klicken können, Einladungen bestellen, versenden, und es gäbe kein zurück mehr. Die Hochzeitsfrage ist schlicht eine Frage der persönlichen Prioritäten. Wer seinem privaten Glück einen mindesten ebenso hohen Stellenwert einräumt, wie der Karriere, der tut vermutlich gut daran, sich nicht mitreißen zu lassen – sondern der Stimme seines Herzens zu folgen. Wenn diese zur Eheschließung noch während des Studiums rät, spricht auch rational gesehen eigentlich nichts gegen die Hochzeit – Man muss sich die Zeit dafür einfach nehmen, und darf sich von der Hektik des Studienbetriebs nicht aus der Ruhe bringen lassen. Immerhin heißt es nach wie vor “bis dass der Tod euch scheidet”. Die Ehe ist damit eine Art von Beziehung, die weitaus verlässlicher sein sollte, als die zu allen künftigen Arbeitgebern oder Sponsoren. Vor diesem Hintergrund scheint “Karriere zuerst” nicht in jedem Fall die beste, und schon gar nicht die einzige Option zu sein. Erstaunlich, wie die Gedanken manchmal so schweifen – in diesem Fall dank kartenmacherei.de und Schwesterherz.
foto:© Galina Barskaya – Fotolia.com


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